Kirchturm

0 Euro-Scheine in Sprockhövel

Erfolgreiche Fundraising Idee aus Sprockhövel

Ein Praxisbeispiel aus Westfalen

Die Zwiebelturmkirche der Ev. Kirchengemeinde Bredenscheid-Sprockhövel muss renoviert werden. Der Kirchturm benötigt besondere Aufmerksamkeit.

Das Fundraising-Team der Kirchengemeinde plant seit vielen Jahren nachhaltige Ideen, die der Arbeit vor Ort helfen. Mit dem Kirchturmprojekt sind nun besondere Hürden zu nehmen. Ein eingesetztes Fundraising-Instrument war der Verkauf eines 0-Euro-Scheins.

Arne Stolorz ist Pfarrer vor Ort und begleitet die Fundraising-Arbeit seit Beginn. Mit ihm konnte fundraising-evangelisch.de sprechen.

Interview mit Pfarrer Arne Stolorz

Lieber Herr Stolorz, worum ging es bei der 0-Euro Aktion?

"Die Aktion sollte im Ort und darüber hinaus bekannt machen, dass ein Wahrzeichen der Stadt Sprockhövel akut bedroht ist.  Viele Dinge sind dazu geplant und werden auch immer noch umgesetzt (Stand: April 2019). Wir haben uns im Fundraising-Team entschieden, die  mittlerweile recht bekannten 0-Euro Scheine auch in Sprockhövel einzuführen. Die Idee entstand, weil eine Aktion in der Nachbarstadt Hattingen reißenden Absatz fand. Die Haupthürde war, das Presbyterium von der Idee zu überzeugen."

Worum geht es bei den 0-Euro Scheinen?

"Die mittlerweile als Sammlerstück geltenden 0-Euro-Scheine sehen aus wie eine klassische Euro-Note. Sie wurden mit einer künstlerisch umgesetzten Zwiebelturmkirche bedruckt und erhalten die symbolische Summe „0 Euro“. Mithilfe unseres ehrenamtlichen Grafikers und unter Hinzuziehung eines Motivs aus dem Archiv (Klärung der Rechte!) wurde ein Entwurf gemacht. Das wurde dann an die Agentur weitergeleitet, die damals noch ein Monopol darauf hatte. Sie kümmert sich auch um den Vertrieb. Mit denen haben wir bereits ein halbes Jahr vorher Kontakt aufgenommen.

Der Druck und die Zusendung dauerten ca. 6 Wochen. Zum Stadtfestwochende in Sprockhövel lagen die Scheine vor und dort an unserem Kirchenstand, den wir um einen extra Stand nur für den Verkauf der Scheine erweiterten, konnten wir verkaufen."

Was kostete die Aktion?

"Die Mindestabnahme an Scheinen betrug 5.000 Stück. Das kostete inklusive Druck und Versand gut 5.600 Euro. Das sind 0,95 Euro plus Umsatzsteuer je Schein. Als Verkaufspreis hatten wir 3 Euro je Schein festgelegt. Im Nachhinein würde ich sagen, 4 oder 5 Euro wären auch gegangen."

Viel Geld für eine Vorleistung. Hat’s denn geklappt?

"Unsere 0-Euro-Aktion war ein voller Erfolg. Vor allem auch, weil wir da rechtzeitig auf den Hype um diesen neuen Sammlermarkt aufgesprungen sind.
Inzwischen versuchen so viele Organisationen, damit Geld zu machen, dass eine derartig schnelle Abnahme fraglich wäre."

Wie haben Sie alles beworben?

"Wir begleiteten den Verkauf mit einer umfangreichen Öffentlichkeitsarbeit über Tageszeitungen, Wochen- und Monatsblätter und den Gemeindebrief. Der Erfolg war überwältigend.
Bereits im Vorfeld des Stadtfestes bestellten Sammlervereine aus Deutschland und Frankreich circa 1.000 Scheine.  Wir hatten vorher festgelegt, dass die Scheine nur zu 100er Packs für 300 Euro je Pack verkauft werden, um den Aufwand zu reduzieren. Während des Stadtfestes verkauften wir weitere gut 3.000 Scheine.

Die übrigen Scheine wurden wir über die heimische Buchhandlung und das Gemeindebüro schnell los. Einige 100 Scheine gingen auch an eine Bank vor Ort  als 'Geschenk für gute Kunden' und an den Verein der Städtepartnerschaft.

Großes Interesse bestand bei bestimmten Seriennummern, die zu Geburtstagen passten. Aber hier hielten wir uns im Wesentlichen zurück, weil die Bedienung individueller Wünsche zu zeitaufwändig geworden wäre. Dennoch waren die Seriennummern 1.901–2.000 am schnellsten ausverkauft.

Großes Interesse bestand auch bei niedrigen Seriennummern von 1-100. Diese hielten wir zurück und verkaufen die meisten davon später gewinnbringend bei Ebay.

Wenige Seriennummern, die mit der Kirche im Zusammenhang stehen sind noch in unserem Besitz. Besonders die 1785 wegen des Baujahres. Diese vermarkten wir später, z.B. im Rahmen einer Versteigerung, oder sie landen im Archiv.

Da verschiedene Menschen mehr Geld gaben als 3 Euro je Schein, machten wir mit dieser Aktion circa 10.000 Euro Gewinn in wenigen Wochen.

Neben den ganzen finanziellen Aspekten muss ich aber auch sagen, dass diese Aktion durch das ansprechende Motiv der Kirche und durch viele, viele Gespräche am Rande erheblich dazu beigetragen hat, um die Identifikation der Menschen in Sprockhövel mit „ihrer“ Kirche zu erhöhen.

Alles bestens also."

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